Zeile 32 ff.
Hier heißt es, dass all die Attribute nichts weiter sind als eine unterschiedliche Sichtweise auf ein und dasselbe Subjekt. Da wir Dinge auf unterschiedliche Art und Weise beschreiben können, können wir auch Buddhas und Arhats unterschiedliche Namen geben.
Ein Buddha dieser Art erhält verschiedene Attribute, die auf seine unterschiedlichen „mündlichen Unterweisungen“ zu Ursachen und Wirkungen hinweisen.
Ergänzugnen zu Zeile 32-37 von Birgit. Hier geht es die ganze Zeit darum, dass der Buddha als „posessor of wisdom and ist feet“ bezeichnet wird.
Ursachen
Es geht um die Beschreibung der Budhhaschaft als „weise und tugendhaft“. In einigen Übersetzungen ist auch die Rede vom „Inhaber der Einsicht und ihren Stützen (feet) die Rede.“ Also beinhaltet die Buddhaschaft verschiedene Arten einer bedingten Vergangenheit, die aber alle in den drei Grundübungen zusammengefasst werden können: Disziplin, Meditation und Weisheit. (Konkretisierung hier: die Drei grundlegenden Übungen auf dem buddhistischen Pfad sind shila (Skt.) = Disziplin, smadhi = Mediation, prajna = Weisheit; übersetzt Tony Duff in seinem Glossar mit „korrektes Erkennen, bzw. Einsicht.“)
„Auf der Ebene der Noblen (der Boddhisattvas) entsprechen die drei Übungen den Unterteilungen des Achtfachen Pfades. Der erste der acht Pfade bezieht sich auf die Einsicht, die anderen sieben werden „Füße“ genannt. In diesem Zusammenhang ist die Einsicht gleichbedeutend mit der SICHT.“ (Zitat: Complete Commentary by Ju Mipham in: Duff, 2010: S. 180)
Hierüber haben wir heute diskutiert; erst eignet man sich die gemeinte Sicht an (z.B. Mahayana-Sicht) und praktiziert dann so lange, bis man sie dank Weisheit, bzw. Einsicht korrekt realisiert hat. Das geschieht mithilfe der „Füße“.
Das Beispiel dazu: „Es ist genau wie wenn ein Mensch eine Straße entlanggeht. Er sieht die Umgebung mit seinen Augen und legt mit seinen Füßen die Strecke zurück, die seine Augen sehen.“ (Ju Mipham ebd.)
Wenn man das auf die drei Arten der Übung anwendet, bezieht sich die Weisheit oder die Einsicht des Buddhas auf die Dritte Übung. (prajna = Weisheit, Einsicht, korrektes Erkennen) Die zweite (Übung), mit der der Tugendhafte gemeint ist, bezieht sich auf die Disziplin und Summary (? – ich denke hier muss es Samadhi = Meditation heißen, Cl.).
Wenn wir jetzt den Buddha als „Inhaber von Weisheit und ihre Füßen“ beschreiben, heißt das, dass der Buddha weise ist und über die „tugendhaften“ Stützten dieser Weisheit verfügt. Diese Qualität hat er, weil er auch die sieben anderen Teile des 8-fachen Pfades korrekt realisiert hat, d.h. der richtigen Absicht, richtigen Rede, richtigen Handlungen, dem richtigen Lebenswandel, der richtigen Anstrengung, richtigen Achtsamkeit, richtigen Konzentration.
Cl.: Unterscheidung nochmal:
1. Teil des 8-fachen Pfades: die SICHT, d.h. den Pfad als solchen zu erblicken, den Pfad des Boddhisattvas, (oder auch Vajrayana-Pfad oder den des Dzogchen)
2.-8. Teil des Pfades: mithilfe des Trainings EINSICHT erlangen und zur Weisheit (prajna, korrektes Erkennen) gelangen.
Zeile 47: (Ist eigentlich die logische Konsequenz hieraus)
47. Wenn der Pfad durchschritten wurde, muss die Einsicht als die drei Einsichten des normalen Übens definiert werden. Die Einsicht der Vergangenheit, Zukunft und die Einsicht der Mitte, die das Versiegen der störenden Emotionen beinhaltet.
48. Wenn der Übergang zu Ende geführt wurde, sagten wir, dass die Einsicht als die drei Einsichten der normalen Übungen definiert werden muss. Voraussetzung dafür ist, dass alles „Nichtwissen“ oder vergangene oder zukünftige Begrenzungen entfernt wurden. Gleichwohl ist die Einsicht unbeweglich. (stabil) Hier ist meines Erachtens die wirklich hohe Verwirklichungsstufe gemeint, auf der es „kein Zurück“ mehr in Zweifel und Geistesgifte geben kann. Im Unterschied zu niedrigeren Übungsstufen, wo der „Rückfall“ in die Geistesgifte noch möglich ist.
49. Wir haben die beiden Aspekte erörtert, 1. Weisheit und 2. Die Stützen dafür zu besitzen und zwar in Bezug auf die drei Übungen von Disziplin, Samadhi und Prajna (korrektes Erkennen). Wenn wir hier über das Ende des Pfades sprechen, muss diese Einsicht als die Einsicht durch normale Übungen definiert werden, da wir sie im Bezug auf diese Übungen erörtert haben.
Hier geht es m.E. weiter darum zu spezifizieren, wie diese Einsichten erlangt werden.
Er erklärt das vom Ziel aus, dem Zustand des Sugatas, des „glückselig Gegangenen“.
Wie wird der Pfad beschritten? (Die Unterteilung hier finde ich wichtig, weil sie wieder den Punkt 1, die SICHT aufgreift, die mit dem jeweiligen Fahrzeug korrespondiert, das man praktiziert)
SICHT Fahrzeug: Es geht um den Pfad, der in der Sicht es Mahayana (im Großen FZ) beschritten wird: das ist quasi die Qualität des Fahrzeuges, toll wie ein Schloss, das Glück und Freude bringt und dadurch, dass es benutzt wird alles Wesen ins Nirvana bringen kann.
Das ist erst einmal das Fahrzeug, in das wir uns setzen.
Dann geht es
2. Um den Pfad, den wir mit diesem FZ beschreiten. Der ist so beschaffen wie ein tolles Rennpferd. Wenn wir darauf einmal geritten sind, werden wir es nicht mehr eintauschen wollen.
53. Wenn wir über das Fahrzeug (hier Mahayana) sprechen, kann man sowohl von dem Fahrzeug des Pfades und von dem Ergebnis-Fahrzeug sprechen. Wenn wir das Pfad-Fahrzeug ansprechen, bezieht sich das auf den Pfad, den wir gehen, und das Ergebnis ist das Nirvana.
(während im Mahayana die Verwirklichung der Leerheit das A und O ist, verhält es sich bei anderen Fahrzeugen anders; doch auch bei anderen FZ werden ja Pfade beschritten. Insofern glaube ich, dass die Differenzierung wichtig ist, damit wir wissen, worüber wir sprechen)
Derjenige, der den Pfad zu Ende gegangen ist, ist auf drei Arten gegangen. Er hat sich auf eine Stärke verlassen, die nicht angreifbar ist.
Die drei Arten, den Pfad zu gehen:
1. Richtig gehen, (richtig gegangen sein),
2. Bis zum Punkt zu gehen, an dem es „kein Zurück“ mehr gibt, (bzw. gegangen sein)
3. Bis zu dem Punkt gehen, an dem nichts mehr ausgeschlossen ist. (bzw. gegangen sein)
Diese drei Arten „zu gehen“ führen in ihrer Summe dazu, dass das höchste Ende des Pfades erreicht wird. (z.B. die letzte Stufe des Boddhisattvas, wobei die 3 Arten m.E. aufeinander aufbauen und miteinander untrennbar verbunden sind.) „gone“ ist hier m.E. vom Ergebnis aus, von der Buddhaschaft aus gedacht.
Absätze: hier für mehr Klarheit auf Deutsch:
56 Erläuterungen im Einzelnen
1. Art zu gehen: „richtig gehen, bzw. richtig gegangen sein“, heißt, dass man ohne jegliche Befleckung a) des Leidens oder b) Sorge aufgrund der vier Edlen gegangen ist. (d.h. die 4 edlen Wahrheiten?) Beider Punkte, a) und b) gehören auf die Seite des völligen Leidens im Samsara. Davon ist man nun „richtig“ weggegangen und zwar wie ein Mensch in einer schönen Gestalt.
57. Jetzt ein Beispiel für „in schöner Form gehen“ ist ein Mensch mit einer schönen Gestalt – ganz gleich welche Kleidung ein solcher Mensch trägt, wird er schön aussehen. Hier sagen wir, dass man richtig gegangen ist, ohne jegliche Berührung zur Wahrheit vom Leiden und dessen Ursache. (hier sind offensichtlich 4 edlen Wahrheiten gemeint)
58. Das ist etwas Besonderes, das uns von Samsara trennt. Wenn jemand das Leiden, die Ursache und die Wirkung des Leidens derer, die im Samsara leben, überwunden hat, ist jemand der durch all das „hindurch“ gegangen ist. So jemand befindet sich jenseits von Samsara und seinen Leiden.
2. Art zu gehen: zu dem Punkt, an dem es „kein Zurück mehr gibt“.
Kein Zurück bedeutet, dass es keinen Rückfall ins Samsara mehr geben kann (wie Windpocken: wer sie einmal hatte, bekommt sie nicht noch einmal). Wie das geht, bzw. woran sich das festmachen lässt: man muss die Abwesenheit von einem Selbst in Dingen und Personen realisiert haben. Den Samen für das „sehen eines Selbst“. Wer das nicht völlig durchdrungen hat, läuft Gefahr, dem Extrem des Eternalismus zu verfallen.
(Das ist auch der Kernunterschied, der den Pfad von nicht-buddhistischen Wegen unterschiedet. Denn das Festhalten an einem Selbst wirft einen sofort wieder ins Samsara zurück)
3. Art zu gehen: „so zu gehen, dass nichts mehr ausgeschlossen wird“, bzw. „vollkommen gehen, bzw. gegangen sein.“
Hiermit ist gemeint, dass der Buddha alle dharmas verwirklicht, die die Qualitäten von Entsagung und Verwirklichung beinhalten. D.h. er hat alles aufgegeben, was aufzugeben ist und alles verwirklicht, was zu verwirklichen ist.
Vgl.: eine Vase, die mit Flüssigkeit gefüllt ist. (d.h. sie hat nicht den Mangel, dass ihr etwas fehlt)
Dreh und Angelpunkt sind hier: Entsagung und Verwirklichung (Das haben Prateykabuddhas und Shravakas nicht erreicht) Das hebt den Buddha von anderen ab.
67. Die Art zu gehen, bzw. zur Buddhaschaft gegangen zu sein, beginnt mit der Tatsache, dass die [nice?] Natur selbst leuchtend ist. [hier geht es m.E. um die Natur des Geistes, bzw. die Buddhanatur unveränderbar leuchtend ist]. Allerdings ist sie befleckt, doch die Befleckungen sind mehr zufällig da, daher können sie entfernt werden. Das Mittel (Methode), mit dem sie entfernt werden, ist die höchste Weisheit, die die Abwesenheit eines Selbst realisiert. Diese Einsicht, bzw. Verwirklichung des „nicht-Selbst“ ist in der Lage, allmählich die Befleckungen zu entfernen und den leuchtenden Zustand des Geistes zutage fördern kann.
Mit dieser Methode kann man zur völligen Entsagung und Verwirklichung gelangen. D.h. erst einmal muss man aktiv einen Pfad (den Pfad der Ansammlung, der Reise, oder den Pfad des direkten Sehens) beschreiten und uns dann an ihn gewöhnen. Letzteres ist wichtig.
Lama Mipham sagt: egal, welchen Pfad man beschreitet, man muss das auf der Grundlage von Nachdenken und Analysieren tun. Wenn man das getan hat, kann man die Qualitäten der Entsagung und der Verwirklichung erlangen.
ENDE 2b